Burnout ist kein Arbeitsproblem. Es ist ein Wahrheitsproblem.
Ich sitze in meinem großen Ohrensessel und schaue aus dem Fenster. Die Füße hochgelegt.
Mit dunkelblauem Samt habe ich den Sessel neu beziehen lassen. Neun Jahre ist das her. Während meiner Burnout-Zeit bei Siemens damals. Dieser Sessel war mal mein Still-Sessel, bunt gestreift. Eine wohlige Stille strahlt er heute immer noch aus. Durch den dunkelblauen Samt heute auch Würde und Präsenz.
Burnout ist das Stichwort. Nicht nur meins. Burnout ist die logische Folge einer ganzen Lebensausrichtung. Ich schaue mir die Ausrichtung an, die ich im Leben hatte. Damals und heute.
Ich wollte wissen, wofür ich so gebrannt hatte, dass ich ausgebrannt bin. Die unbewussten Antreiber, die im Verborgenen wirken.
Burnout ist selten ein Arbeitsproblem. Meistens ist es ein Wahrheitsproblem.
Für Geld habe ich gebrannt. Mein Gott war Geld, mein Leben darauf ausgerichtet, mein Geld möglichst effektiv zu vermehren. Ich war bereit, mir den Arsch für möglichst viel Gehalt wegzuarbeiten. Außertariflicher Mitarbeiter und Manager werden war immer mein Ziel. Weil die viel Geld bekommen vom Konzern.
Fürs Gesehenwerden habe ich auch gebrannt. Ich wollte gesehen werden.
Und Sex.
Where focus goes energy flows. Auch wenn der Fokus unbewusst ist.
So ein Konzern ist ein fantastisches Umfeld, wenn Geld, Gesehenwerdenwollen und Sex die unbewussten Antreiber im Leben sind.
Konzerne funktionieren hervorragend für Menschen, die sich selbst nicht spüren.
Ich muss lachen in meinem Ohrensessel.
Damals war mir gar nicht nach Lachen zumute. Denn ich wusste nicht, warum ich mich selbst bis in die Erschöpfung trieb. Oder es mit mir selbst bis zur Erschöpfung trieb.
Heute weiß ich, warum. Das ist Bewusstwerdungsarbeit.
Und heute weiß ich: Ich war kein Einzelfall.
Viele Erfolgreiche sind genauso unterwegs – getrieben von etwas, das sie nicht kennen und deshalb auch nicht führen können.
Seit meinem Weggang vom Konzern habe ich viel im Ohrensessel gesessen. Und mir ist viel bewusst geworden.
Was bewusst wird, kann man ändern. Ich habe meine Ausrichtung komplett geändert.
Mein Leben und mein Business auf Gott ausgerichtet.
Und alles fing damit an, dass ich mir meine innere Wahrheit selbst eingestanden habe. Nicht mehr mich selbst belogen habe und ständig über meine Gefühle und Bedürfnisse hinweggetrampelt bin. Ich habe mich mit meinen Bedürfnissen ernst genommen und sie an erste Stelle in meinem Leben gesetzt. Radikal konsequent.
Genau an diesem Punkt beginnen heute viele meiner Gespräche mit Menschen in Verantwortung:
Sie spüren, dass etwas in ihnen nicht mehr mitkommt – aber sie wissen noch nicht, was es ist.
Ich schaue aus dem Fenster. Von meinem dunkelblau-samtigen Ohrensessel aus. Es ist tiefster Winter in Berlin. Eiskalt und grau.
Meine Seele aber ist leicht und warm und trällert ein fröhliches Liedchen. Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium.
Und das ist die eigentliche Wende.
Die Ursache von Burnout: kein Arbeitsproblem. Sondern Wahrheitsproblem.
Februar 13, 2026
