Ich will eine Bank in der Sonne.
Endlich Sonne.
Der Winter war hart.
Ich möchte meine Seele in die Sonne baumeln. Und in Leichtigkeit.
Ich erspähe ein unbesetztes Exemplar Bank. In der Sonne.
Gar nicht so einfach heute. Berlin. Domäne Dahlem.
Ist ein Pilgerort nach der dunklen Zeit.
Ich trage Basecap und Kopfhörer. Meine Seele baumelt besonders gut, wenn sie von schöner Musik begleitet wird.
Oder Stille.
Ich setze mich auf die Bank. Blick Richtung Trecker, Anhänger und Tennisplatz der FU.
Letzterer ist gerade eine Baustelle und so tönt kein paff-Pause-paff-Pause paff/ stöhn-krächz scheiße durch die mittägliche Stille.
Ich schließe die Augen. Der Ebenbild Hymnus von Helge Burggrabe verwöhnt meine Ohren und Seele.
“Mensch, kostbar und einmalig habe ich dich geschaffen.
Schöpfe aus meiner Mitte lebendige Kraft.”
Ich entspanne.
“Bist du Stille, jubelt dein Herz in meiner Geborgenheit.
Bist du ausgerichtet, findest du Einheit in mir.
Bist du geduldig, kommt dir das Ziel entgegen.”
Herrlich.
Eine Frau nähert sich. Sie ist nicht zu überhören.
Und steuert auf die unbemannte Bank neben mir zu.
“Lass meinen göttlichen Atem durch dich strömen.
So bleibt meine Liebe durch dich am fließen. Du mein Ebenbild.
Ich zucke zusammen. Die Frau schreit in ihr Handy.
Gedanklich bin ich noch bei dem Ziel, das mir entgegen kommt, wenn ich geduldig bin.
Ich atme tief ein und wieder aus. Die Frau schreit weiter.
Sie diskutiert ihren Terminkalender. Laut.
Mit Gott weiß wem.
Gut, denk ich mir. Habe ich Geduld, dann verschwindet die Frau wieder.
Ich versuche nicht zuzuhören. Das gelingt mir nicht.
“Du bist eine Blume in meiner Schöpfung.
Leise in der Öffnung, strahlend in deiner Offenheit.”
Die Frau redet jetzt noch lauter.
Ich hatte mir letztens fest vorgenommen, nur noch zu beobachten und nicht zu werten. Soll die höchste Form von Intelligenz sein. Und ist nervenschonend.
Heute bin ich nicht hoch intelligent. Ich bin genervt.
Von einer Frau, die sich zu viel Raum nimmt für meinen Geschmack.
Meine Musik lauter machen nutzt auch nichts.
Dann platzt mirs Trommelfell.
Ich brauche eine Strategie.
Ich mag das Lied, kann es auswendig, setze mich auf und singe laut mit.
“Durch dich strömt der Hauch meines göttlichen Atems.
Du leuchtest auf im Glanz meiner göttlichen Fülle.
O Mensch, Abbild meiner Schönheit.”
Wenn sie laut telefoniert. Kann ich laut singen.
Die Frau verstummt.
Ich: “Wann beginnst du zu blühen mein Ebenbild?”
Die Frau steht auf und geht.
Ich lächle vor mich hin.
Über mein schönes Gedankenkino.
Jetzt der Chorus des Lieds:
“Jehoshua maranate, Jehoshua halleluja.
Auch so spricht Gott zum Menschen, zu dir, zu mir.”
Wie friedlich wäre unsere Welt, wenn wir alle unseren Ärger denkend lösen würden.
Oder zumindest nachdenken, bevor wir schießen.
