Ich möchte Euch in dieser kriegerischen Zeit zu Ostern eine leichte, humorvolle, persönliche Ostergeschichte schenken.
Die Karwoche ist vorgestern gestartet. Übermorgen fahre ich ins Kloster. Passionszeit im Kloster Petersberg. Abendmahl. Den Kreuzweg gehen. Gekreuzigt, gestorben und begraben. „Von der Dunkelheit ins Licht“ dann früh am Oster-Sonntag-Morgen. Das ist mein Favorit. Inzwischen.
Ostern ist irgendwie so eine Schicksalszeit bei mir. Keine Ahnung, ob das mit Jesus zu tun. Im letzten Jahr jedenfalls hatte der liebe Gott sich gedacht, mich auch ans Kreuz zu nageln. Wobei das letzte Abendmahl bei mir mit der Kreuzigung zusammen fiel. Auf einer Party mit lauter Nackigen und Sauna. Gar nicht Jesus-like. Es waren auch mehr als 12 da und der Judas aus meiner Ostergeschichte war nicht eingeladen.
Das war der 17.4.2025. Auferstanden bin ich dann das ganze restliche Jahr und habe meine Verbindung zu Gott gefestigt, und ist ongoing. Fühlt sich inzwischen sehr gut an und deshalb fahre ich in diesem Jahr als Remembrance ans letzte Jahr zu Ostern ins Kloster. Ganz bewusst den christlichen Osterweg gehen. Dass ich in Gottes Hand bin, daran habe ich keinen Zweifel.
So oft habe ich wie Jesus gebetet:
»Abba, Vater«, sagte Jesus, »dir ist alles möglich.
Lass diesen Leidenskelch an mir vorübergehen.
Doch dein Wille geschehe, nicht meiner.«
Markus 14,36 (Neues Leben)
Ich wehre mich auch nicht mehr gegen Gottes Willen. Ich gebe mich hin. Denn es geschieht sowieso der Wille Gottes. Bis ich auf dem Weg bin, den Gott für mich vorgesehen hat. Sendung heißt das.
Den Willen Gottes kann ich gut finden oder blöd finden. Einfacher ist es, wenn ich ihn gut finde. Weshalb ich ja auch das Kämpfen aufgehört habe.
Der Geschichte vom letzten Jahr Ostern haftet so viel gruselige Energie an, dass ich sie nicht erzählen werde. Scheiße bleibt Scheiße und stinkt. Das kann man sich nicht schönreden. Und Männern, die ihren Schwanz nicht im Griff haben, denen empfehle ich ab 17.4.26 mein neues Buch über Bewusstwerdung. Das verlorene Selbst tanzt wieder. Ein Verstehbuch über toxische Beziehungen, Selbstverlust und Depression und wie man zurück in den Garten kommt.
Garten? Ja genau. Garten. Eden. Der wiederum hat etwas mit Gott und der Bibel zu tun.
Mit Hilfe des Buches können die schwanzgesteuerten Männer sich selbst und ihr Unbewusstes erforschen und vielleicht erkennen, warum ihr Schwanz sie im Griff hat und nicht andersrum.
Und weil ich Euch ja eine Ostergeschichte erzählen mag, erzähle ich Euch meine Ostergeschichte aus 2023. Die ist lustig, ich hatte sie offensichtlich aufgeschrieben, habe sie letztens gefunden. Passt.
Also, los geht es:
Ich mag es, Geschichten nach Schreibanweisung zu schreiben. Dann habe ich einen Anker, von dem aus ich die Geschichte entwickeln kann. Dieses Mal lautet der Anker: Ein Osterhase darf durch die Geschichte hoppeln. Soll. Durch meine Ostergeschichte.
Ich sitze in meinem Schreibzimmer. Und schwitze immer noch. Unten im Innenhof rasen die Kids laut schreiend und in bunten T-Shirts über die Wiese. Dort unten gibt es keine Osterhasen mehr. Sie wurden alle vernichtet. Gnadenlos. Von den Kids aufgefuttert. Da unten in meinem Innenhof kann die Ostergeschichte mit den Osterhasen also nicht spielen.
Allerdings sind mir die Osterhasen von heute Morgen noch in meinem Gedächtnis. Was sage ich, sie hängen in meinem System fest. Weshalb ich auch noch schwitze. Heute Morgen sind drei Osterhasen durch mein Bild gehoppelt. Ich muss jetzt unweigerlich an dieses Smiley auf meinem Handy denken. Das, das die Zähne aufeinanderbeißt.
Denn die Osterhasen von heute Morgen sind nicht gehoppelt. Diese drei Hasen sind gesprintet – Um ihr Leben. Ich habe das Weiße in ihren Augen gesehen. Falls sie Körbchen mit Ostereiern dabei hatten, dann liegen diese alle noch da, wo die Osterhasen in Ruhe und Frieden die Ostermontagmorgensonne genossen hatten. Bis ich mit meiner Hündin Emmy aufkreuzte. Heute, am dritten Tag nach der Kreuzigung.
Doch ich fange besser von vorne an.
Ich habe mich in diesem Jahr über Ostern gar nicht um Osterhasen gekümmert. Ich habe mich um gar nichts gekümmert. Ich habe die Kreuzigung nachgespielt. Die mit Jesus und so, um die es Ostern ja eigentlich immer ging, bis die kapitalistischen Kirchen mal besagte Hasen ins Spiel gebracht hatten. Konzerne heißen die kapitalistischen Gotteshäuser. Ihr Prophet und Heilsbringer heißt Geld. Die Mutter Geldes ist nicht Maria, sondern Konsum. Doch das nur am Rande, wegen der Hasen und so.
Ich war Ostern ganz authentisch in diesem Jahr. Krank im Bett, nicht am Kreuz. Heute Morgen am Ostermontag beim Hundespaziergang habe ich meine Auferstehung gefeiert. Ok, ich habe einen Tag länger gebraucht als Jesus. Und Maria Magdalena war auch nicht zu sehen, dafür Emmy. Meine Hündin.
Emmy hatte die Zeit, die ich am Kreuz im Bett verbrachte, Zwangspause gehabt. Viel Zeit zum Meditieren. Und wenig Bewegung. So Auferstehungen haben es an sich, dass die Auferstehende nicht gleich voller Energie und mit allen Sinnen senkrecht auf der Erde weilt. Jedenfalls bei mir ist das so bei der Auferstehung.
Ich hatte davon schon einige in meinem Leben.
Darin unterscheiden sich Jesus und ich auch noch. Jesus hatte nur eine. So viel wir wissen zumindest.
Mein müdes vom Kreuz auferstandenes Gehirn beginnt bei unserem Ostermontagmorgenspaziergang ganz langsam aus der Starre heraus beweglich zu werden. Emmy zuckelt verträumt schnuppernd die Blümchenwiesen entlang. Irgendwo hinter mir. Schnupperchen hier. Pullerchen da. Ein fremdes Kackhäufchen betrachten. Dann durch den Zaun zu den Ziegen starren. Weiter. Ich hätte schwören können gehört zu haben, wie Emmy ein fröhliches Liedchen trällert. Während Emmy trällert, kommt immer mehr Kraft und Leben in meinen Körper und die Sonnenstrahlen liefern meinem Hirn Energie, um die Anzahl der Denkdrehungen pro Sekunde langsam auf Normalspeed hochzufahren. Eben hatte ich es hinter mir bellen gehört. Das war mir seltsam bekannt vorgekommen. Wie etwas aus meinem alten Leben vor der Kreuzigung. Wenn ich mit Emmy spazieren war und Emmy mir etwas mitteilen wollte. Seltsam. Doch wer könnte mir schon am Morgen der Auferstehung etwas mitteilen wollen?
Ich stutze kurz. Schüttel mich. Mein Gehirn berappelt sich. Das hatte ich doch heute schon mal. Emmy. Ich zähle eins und eins zusammen und drehe mich ruckartig um. Und da sehe ich sie. Emmy. Sie steht am Straßenrand. Und starrt auf die andere Straßenseite. Mein Hund hat die Bordsteinsperre gelernt. Ist überlebensnotwendig in Berlin. Klappt meistens. Emmy stoppt vor Betreten der Straße.
Ich kenne diese Körperhaltung bei Emmy. Sie fokussiert über die Straße, ihr Schwanz aufrecht, Spannung im ganzen Hundekörper. Und sie bellt.
Verflucht, denke ich. Was ist denn nun schon wieder?
Vorhin waren wir durch die Gärten gelaufen. An der Gartenarbeitsschule vorbei. Da war Emmy auch zum Zaun geprescht, war wie angewurzelt davor stehen geblieben und hatte laut gebellt. Ich hatte durch den Zaun gespäht. Die Gartenarbeitsschule hat Schafe, statt Rasenmäher. Und manchmal stehen die wolligen Tiere auf der Wiese direkt hinter dem Zaun. Was Emmy jedes Mal fürchterlich spannend findet und mir bellend erzählt.
Ich bedanke mich dann jedes Mal anständig bei ihr. Denn dann hört sie auf zu bellen. Emmy teilt mir jede Änderung mit, die sie wahrnimmt. Bellend. Auch gelbe Müllsäcke am Straßenrand, die normalerweise nicht auf unserem Weg stehen. Auch in tiefer Nacht. Wenn alle schlafen. Wollen. Ich habe versucht, ihr beizubringen, dass das nicht notwendig ist. Weil ich keine Gefahr von den gelben Säcken ausgehen sehe. Aber Emmy ist unbelehrbar. Also bedanke ich mich auch nachts fürs Bellen bei ihr und sie hört auf.
Nach Emmys Bellen mit Blick in die Gartenarbeitsschule früher heute Morgen habe ich gesehen, dass eben jene in diesem Jahr zu Ostern eine riesige Hasenkontur in eines ihrer Beete gestellt hat. Überdimensioniert. Bestimmt 1,60m hoch. Wie ein Lindt Schokohase, nur aus Holz – eine Sägearbeit. Dieser Hase im Beet ist viel dicker und hat größere Ohren und kein goldenes Papier. Ich habe mich auch heute bei Emmy für diesen Hinweis bedankt.
Mir wird sich nicht erschließen, warum sich die Gartenarbeitsschule nicht einfach über das freuen kann, was sie haben, nämlich Schafe, und dann die Schafe zu Ostern auf die Wiese lassen. Stattdessen hatten sie einen Monster-Hasen ins Beet gestellt. Und das hatte Emmy mir erzählt.
Ich finde die Welt, in der ich lebe, schon lange merkwürdig, geht es mir durch den Kopf. Zu Weihnachten und Ostern werden alle sentimental, knallen die Welt mit Dekoration zu, als gäbe es kein Morgen mehr. Und wo meine Gedanken beim Ostermarsch an der Gartenarbeitsschule vorbei schon in der modernen Welt angekommen sind, fällt meinem BWL’er Hirn ein, dass das Schaf zu Ostern auch mehr Kohle bringt, wenn es auf dem Teller liegt und nicht als Deko im Garten steht. Deshalb vielleicht der Hase. Berlin hat ja kein Geld. Nie. Nicht mal für die Schulen der Kinder. Also schlachtet Berlin vielleicht auch die Schafe der Gartenarbeitsschule zu Ostern, um die Gartenarbeitsschule zu finanzieren. Grausam wäre das. Doch so ist Berlin.
Jetzt aber zurück zu Emmy, die fokussiert und bellend auf dem Bürgersteig an der Straße steht. Noch steht sie. Denn im nächsten Moment vergisst Emmy ihre Erziehung und stürzt über die Straße. Zu den Osterhasen auf der anderen Seite, die dort die Morgensonne genießen. Ich fange augenblicklich an zu schwitzen. Beim letzten Mal, als mein Hund das gemacht hatte, war das nicht gut ausgegangen für den Hasen. Er war zu Emmys Zwischenmahlzeit geworden. Allerdings war das damals ein Baby-Hase. Und Emmy in ihren wilden Teenagerjahren.
Heute Morgen kann ich gar nicht so schnell gucken, wie die drei ausgewachsenen Hasen wie Raketen über die Erde schießen. Hinterher fliegt etwas Schwarzes. Mein Hund. Wie eine abgeschossene Kanonenkugel schießt sie hinter den Hasen her und verringert den Abstand zum letzten Osterhasen. Raketen Emmy hatten wir sie getauft, als sie noch ganz jung war und ihre einzige Fortbewegungsart das Rennen war. Ich bin sehr froh, dass gerade kein Auto die Straße entlang kommt. Es wird somit kein Hasenragout geben. Jedenfalls nicht verursacht durch ein Auto. Und auch kein Hundematsch. Ich verfolge die vier lustigen felligen Gesellen bei ihrem Oster-Race. Drei Hasen und mein Hund. In rasender Geschwindigkeit. Die Hasen steuern nun Richtung Hauptstraße.
Dort fahren immer Autos. Oh je. Ich schaue nun meinem Hirn beim Denken zu. Beim Optionenabwägen. Emmy anschreien? Nix machen und dem Universum vertrauen? Hinterherrennen? Da trifft der Leithase, der ganz vorne, eine schlaue Entscheidung. Er sprintet geradewegs durch ein Loch im Jägerzaun. Der Zaun, hinter dem die Ziegen wohnen. Emmy kann gerade noch abbremsen. Durch den Zaun passt sie nicht. Sie steht vor dem Zaun und schaut den Hasen hinterher. Ich habe mich inzwischen um die eigene Achse gedreht, stehe wieder ruhig und schaue Emmy an.
Sie dreht den Kopf und gibt mir den Blick.
„Ich habe sie fast gehabt! Hast Du das gesehen?!“, höre ich sie in meinem Hirn sprechen. In meinem erwachten Hirn. Dann dreht sie sich zur Seite und trottet weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Ich beneide Emmy darum. Sie probiert einfach. Und wenn sie scheitert, dann zuckt sie kurz mit den Schultern und probiert was Neues. Sie hadert nicht, sie macht sich nicht klein oder verliert den Mut. Sie wird es einfach wieder probieren. Bis es klappt. Ich glaube, Emmy genießt schon den Weg und nicht erst das Ergebnis.
Freude, Frieden (!!!) und Gottes Segen mögen euch in der Osterzeit begleiten!
