Selbst-Seelsorge. Wie geht das, fragt mich ein Freund.
Das Außen spiegelt dein Innen. Schau dir dein Außen an.
Was erlebst du? Worüber bist du traurig? Was ärgert dich? Was würdest du sehr gerne verändern, kriegst es aber absolut nicht hin?
Wo erlebst du das Gleiche immer wieder? Fang an zu forschen. Schreib es auf. Male ein Bild davon – eine Mindmap zum Beispiel. Und kleb dir das Bild irgendwo hin, wo du es täglich siehst.
Das Erste, was mir in meinem Leben auffiel, war, dass ich trotz Erreichens all meiner Ziele, die ich damals hatte, nicht glücklich war. Ich wollte immer ein Haus besitzen und darin wohnen. Ich wollte unbedingt bei Siemens arbeiten, viel Geld verdienen, außertarifliche Mitarbeiterin werden. Und Führungskraft.
Ich erreichte alles – und war trotzdem nicht glücklich. Im Gegenteil: Ich wurde krank. Burnout und Depressionen.
In meiner Coachingausbildung nach dem Burnout kam ich das erste Mal mit dem Gedanken in Kontakt, Siemens zu verlassen und mich selbständig zu machen. Das Haus hatte ich inzwischen bei meiner Trennung zurückgelassen, meinen Managerjob durch den Burnout auch. Der Job bei Siemens folgte ein Jahr später.
Nach Unterzeichnung meines Aufhebungsvertrags verspürte ich Glücksgefühle. Ich hatte das Hamsterrad verlassen. Das war Selbst-Seelsorge.
Nach meinem Abgang versuchte ich, ins nächste Hamsterrad zu steigen. Wirtschaft und Kopf waren, was ich kannte. Ich wurde Gesellschafterin einer GmbH, startete einen Versuch als Freiberufler und versuchte mich in einem Wirtschaftsverband.
Ich startete jedes Mal voller Elan – und brach ganz schnell wieder ab. Das frustrierte mich heftig und machte mich traurig. Ich hatte Selbstzweifel und hasste mich dafür, dass ich nicht einfach mit meinen vorhandenen Qualifikationen in einem neuen Rahmen wirken konnte.
Das Außen spiegelte mein Innen. Es dauerte ein paar Jahre, anzunehmen, dass Wirtschaft und Kopf nicht mehr meins waren. Ich musste etwas Neues finden.
Ich kümmerte mich um mein Herz und meine Gefühle. Ich erforschte mich und fand heraus, warum ich das alles wollte: Haus, Geld, Führungskraft und außertariflicher Mitarbeiter sein.
Das war Selbst-Seelsorge pur.
Erforschen, warum mich etwas in mir selbst dazu trieb, zu tun, was mich in Stress und Depressionen führte.
Über meine Selbsterforschung schrieb ich ein Buch: Kotze, Angst und Swinger-Club. Eine wahre Geschichte über die Suche nach der Liebe.
Das gewann sogar einen Preis – den Innocent Award Best Book of the Year 2023.
Das Schreiben machte mich glücklich. Das Veröffentlichen des Buches auch. Die Lesungen danach waren schön, der Preis auch. Glücksgefühle verursachte das alles nicht.
Ich hatte in meinem Leben tolle Erfolge im Außen. Glücklich machten sie mich nicht.
Was sagte das über mein Innen aus?
Mein Glück würde ich nicht im Außen finden.
Mein Glück finde ich im Innen. In der Verbindung mit mir – und mit anderen Menschen. In Begegnungen auf Seelenebene.
👉 Was erzählt dein Außen über dein Innen?
Selbstseelsorge – wie geht das?
September 30, 2025
