Die Suche nach meinem inneren Frieden war nichts anderes, als die Suche nach meinem wahren Selbst. Die Karrierefrau bei Siemens war nicht mein wahres Selbst. Inneren Frieden hatte ich während meiner Karrierezeit nie.
Innerer Frieden entsteht dadurch, dass du tust und lebst, was du fühlst.
Was aber nun, wenn du unbewusst Gefühle unterdrückst, weil bestimmte Gefühle in deiner Kultur mal verboten waren?
Dann findest du dein wahres Selbst nie. Denn das versucht dir ja, wie ein Irrer mit Gefühlen zu zeigen, wohin es gehen soll im Leben. Und du fühlst das nicht. Ist blöd. Weiß ich aus eigener Erfahrung. Vor allem macht es gestresst, leer und wenn es ganz blöd läuft psychisch krank
Deine Seele ächzt leise vor sich hin.
Auf meinem Weg hat mir eine Psychiaterin eine interessante Sache gesagt.
Die verbotene Emotion für weiße Frauen ist Wut.
Die verbotene Emotion für weiße Männer ist Trauer.
Weiß ist hier wichtig, weil im westlich-weißen Bürgertum besonders stark galt:
Emotionale Kontrolle = moralische Überlegenheit.
Affekte sind unzivilisiert.
Beherrschung ist Status.
Das wohnt heute noch in uns. Ist transgenerational.
Wut schafft Grenze, Schutz und Durchsetzung.
Trauer bedeutet Kontakt zu sich selbst, Loslassen, Hingabe, Bindung, Kontrollverlust.
Weibliche Wut stellt Autorität infrage.
Männliche Trauer bedroht das Ideal von Stärke, Autonomie, Kontrolle und Dominanz.
Frauen würden niemals so viel kostenfreie Care-Arbeit leisten, wenn sie Kontakt zu ihrer Wut hätten.
Männer würden sich von keiner Firma oder Kriegsherren als Kanonenfutter verheizen lassen. Mit Trauer hätten sie die Option ihre wahren Gefühle und Schwäche zu zeigen.
Wütende Frauen werden schnell etikettiert als hysterisch, aggressiv, schwierig, nicht weiblich.
Trauernde Männer wirken verletzlich, bedürftig, nicht führungsfähig, nicht souverän.
Tut sich was in dir?
Mir sind so einige krasse Sachen im Leben passiert. Wut konnte ich nie fühlen. Depressionen kannte ich dafür sehr gut und zur Genüge.
Das sitzt tief, das unbewusste Zeug. So tief, dass du manchmal glaubst, das hat so gaaaaar nix mit dir zu tun. Wenn du das denkst, hat es übrigens sehr viel mit dir zu tun.
Im letzten Jahr habe ich einen Wutworkshop besucht. Ein ganzes Wochenende in die Wut gehen. Das war laut und ich am Ende heiser. Mir ist dabei aufgegangen, dass ich oft wütend war in meinem Leben, aber ich habe diese Wut unbewusst unterdrückt. Wut ist Lebenskraft. Ich habe also meine eigene Lebenskraft unterdrückt. Und das hat mich oft in Depressionen gedrückt.
Seit dem gehe ich mehrmals wöchentlich ganz bewusst in meine Wut.
Meine Lebensenergie ist zurück.
Ich wollte euch das erzählen, um zu zeigen, wie wertvoll und lebensqualitätsverbessernd es sein kann, wenn mann oder frau sich über Dinge bewusst wird.
